Arbeitsweise


 

                                  "Lass es geschehen"M200007

Es gibt wohl kein Rezept wie „man" am besten malt. Zumindest kenne ich keins. Ich kann nur berichten, wie ich male. In 2011 konnte ich - mit Ausnahme der Schulferien - pro Woche zwei bis drei Tage im Atelier arbeiten. An diesen Tagen habe ich  durchschnittlich zwei Bilder gemalt. So entstanden in dem Jahr etwas über 100 Bilder. Es hätten mehr sein können. Ich habe bestimmt „gute Momente" verpasst. Einige konnte ich nutzen.

Seit ich mich ganz auf die Malerei konzentriere, habe ich ein Stück weit erkannt, was für mich gut und was weniger gut funktioniert. Daraus hat sich für mich so etwas wie ein Arbeits-Rhythmus oder ein Arbeits-Ritual gebildet. Elemente daraus will ich hier beschreiben.


Ideen sehen und festhalten          


M300030Es gibt Momente der Beobachtung, des aufmerksamen Erlebens, in denen ich Teile meiner Umgebung bewusst sehe und in mich aufnehme. Oft geschieht dies, wenn ich unterwegs bin in der freien Natur. Ich entdecke Licht, Farben, Details, Blickwinkel, Facetten, Motive. Diese Momente sind sehr wertvoll. Sie sind - ebenso wie Träume - eine Quelle für Bildideen. Diese Ideen haben jedoch - zumindest bei mir - die Eigenschaft, wieder zu verblassen. Sie ziehen vorbei und kommen vielleicht nicht zurück. Ich habe immer einen kleinen Fotoapparat und ein Notizbuch dabei, um den Moment mit einer Skizze, einem Foto oder ein paar kurzen Zeilen festzuhalten. Es ist etwas Besonderes, in einem solchen Augenblick sofort malen zu können. Das schaffe ich noch zu selten.


Alles abschalten
         

Eine gute Voraussetzung für konzentriertes Arbeiten im Atelier ist es für mich, möglichst jede Störung zu vermeiden. Anrufe nur, wenn sie dringend sind. Keine E-Mails. Kein Internet. Keine Nachrichten. Die richtige Musik. Oder keine Musik.


Der richtige Moment          

Der richtige Moment wofür? Wie fange ich an? Was fange ich an? Sofort vor die Staffelei oder an den Tisch, Werkzeug in die Hand und loslegen? Oder erst einmal zur Ruhe kommen, Atem schöpfen und dann sehen, was passiert? Oder dem Plan folgen, den ich mir gemacht habe?

Es ist mir schon häufig passiert, dass ich mir für meinen nächsten Ateliertag etwas Bestimmtes vorgenommen hatte. Zum Beispiel ein Detail zu üben oder an einem Bild weiter zu arbeiten. Dann komme ich ins Atelier und merke: Ich bin zu müde und brauche erst eine Pause. Oder statt der vorgesehenen Arbeit lockt etwas ganz anderes. Ein neues Papier. Oder die Lust, einen bestimmten Farbverlauf zu beobachten. Oder eine große Leinwand, die ruft: „Jetzt". Oder die Übung eines bestimmten Motivs. Mit anderen Worten: Vergiss alle Pläne. Schau, was jetzt geht. Wenn nichts geht, dann mach genau das. Nichts. Wenn du Lust auf das neue Papier hast: Hole es heraus und schau, was du damit tun kannst. Wenn viel rote Farbe auf die große Leinwand muss, dann los. Irgendwo vor dir - besser gesagt: In dir - liegt der Weg, den du gleich gehst.

Ich glaube, dass dies richtig ist. Meine besten Bilder sind genau so entstanden. Aber manchmal höre ich nicht auf meine eigenen Weisheiten. Das sind dann die weniger produktiven Tage. Ich will immer besser darin werden, herauszufinden, was heute geht, wohin es mich heute trägt.


Malen ohne oder mit Plan

Ich weiß nicht genau, wo ich Inspiration finde. Aber manchmal ist sie einfach da. Ich habe Lust auf dieses Papier, dieses Werkzeug, diese Farben.


Stehe oder sitze richtig.         

Taste mich vor.

  Wage etwas.

 
    Mache einfach.


M300031      Vertraue darauf. Lasse es geschehen. Schaue zu.                

                                                              Sehe, wenn es fertig ist.

Schwierig zu beschreiben. Manchmal hält dieser Fluss für mehrere Bilder an. Manchmal bricht er mittendrin ab. Sobald er versiegt: Anhalten. Pause. Das nächste Mal weitermachen.

Das Ergebnis sind im besten Fall Bilder, die ich nicht gemacht habe. Sie sind vielmehr Geschenke, die ich dankbar angenommen habe.

Vielleicht ist es hilfreich, wenn die Dinge, die ich für solch einen Prozess brauche, oder brauchen könnte, immer an ihrem Platz liegen. Dann sind sie zur Hand, wenn „es" losgeht. Vielleicht ist es aber auch genau der Umstand, dass Material fast „zufällig" beieinander liegt, der zu einer neuen Kombination und damit zu einem Auslöser wird. Vielleicht beides.

Oft habe ich Lust zu malen, aber mir fehlt die Energie der Inspiration. Dann brauche ich einen Plan. Ich muss eine Reihenfolge bilden und diese abarbeiten. Ich messe, skizziere, übe. Hier müssen die Dinge – Werkzeuge, Papier, Farben, Lappen und so weiter wirklich an ihrem Platz sein. Unordnung stört hier.

Ich bevorzuge einen möglichst lockeren Malstil. Nicht zu detailliert. Das Auge des Betrachters soll arbeiten. Daher ist es bei aller Planung  ganz wichtig, dass ich immer wieder Abstand zum Bild gewinne und einen Schritt zurück mache, um die bisherige Arbeit zu betrachten. Oft kann ich nur so feststellen, ob ein Bild fertig ist.

Es kommt oft vor, dass ich sicher bin, dass das Bild noch nicht fertig ist. Doch genauso unsicher bin ich, wie es weiter geht. Dann höre ich lieber auf und stelle mir das Bild so hin, dass ich es häufig sehe. Irgendwann – nach Tagen, Wochen, vielleicht Monaten – weiß ich, was fehlt und es geht weiter.


Übungen         

Damit Bildelemente - bei Naturmotiven zum Beispiel Steine, Gräser, Bäume, Wasserspiegelungen und anderes - in einem Kontext gelingen, muss ich sie zuerst einzeln üben. Vielleicht ergänze ich die Übung zu einem Bild, wenn es passt. Mehrere Übungen auf einem Blatt ergeben manchmal durch die Variation desselben Themas ein interessantes Bild.


Experimente         

Ich probiere aus, wonach mir der Sinn steht. Es ist mir egal, was „man" macht und was nicht. Ich kombiniere Acryl, Aquarell, Gouache, Textilien, Pastell- und Ölkreiden, Wachsfarben, Tusche, Bleistift, Rötel, Kohle und anderes mehr. Wenn ich Lust dazu habe, verwende ich Aquarellfarbe auf Zeichenpapier und Kohle auf Aquarellpapier. Ich bin sehr neugierig und nutze einfach alles so, wie es mir in dem Moment richtig erscheint. Manche Experimente beschrifte ich, damit ich später noch weiß, womit ich einen bestimmten Effekt erreicht habe.




 

 

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